Wie erlebe ich mich in Europa?

Jugend in Aktion: Aktion 1 - Jugend in Europa/
                                              1.3. - Projekte der partizipativen Demokratie für jungen Menschen
Unter dem Motto “Wie erlebe ich mich in Europa? How do I experience myself in Europe?” treffen sich Jugendliche zwischen 18-25 Jahren aus Polen, Tschechien, Ungarn und Deutschland. Unterstützt durch das EU Programm Jugend in Aktion finden zwischen Oktober 2009 bis April 2011 vier gemeinsame Treffen in den jeweiligen Ländern statt. Die Jugenddemokratieprojekte der EU sollen dabei behilflich sein, dass junge Menschen ihre Belange aktiv im demokratischen System vertreten.
Im Projekt der solaris FZU gGmbH Sachsen „Wie erlebe ich mich in Europa? How do I experience myself in Europa?“ werden diese Interessen in zwei Schwerpunkten erarbeitet. Zum einen werden die Jugendlichen umfangreich zu den Themenfeldern Demokratie in den einzelnen Partnerländern und Europäische Union informiert.
Das Hauptaugenmerk liegt dabei immer auf der Beteiligung der Jugendlichen. Diese findet besonders beim zweiten Projektschwerpunkt Beachtung, denn Ziel der gemeinsamen Treffen soll sein, ein Theaterstück zu erarbeiten. Durch die Entwicklung des Theaterstücks und den Dialog über die politischen Systeme der einzelnen Länder werden die Jugendlichen aktiv in den Demokratieprozess
einbezogen und zur Partizipation angeregt.

Auftakttreffen in Deutschland - Chemnitz (11.10.-23.10.2009)
Das erste Treffen des Projekts im Oktober 2009 wurde in Chemnitz und Plauen realisiert. In Kooperation mit dem Verein Kontakte in Europa e.V. waren die Jugendlichen in Plauen untergebracht.
Der Beginn des Projekts wurde dazu genutzt, dass die Jugendlichen eine Vorstellung der einzelnen Länder bekommen. In Länderpräsentationen stellten sie ihr Heimatland vor und berichteten über die Kultur und das demokratische System.
In einem Spiel über die EU konnten die Jugendlichen in einem lockeren Wettbewerb ihre Grundkenntnisse über die EU testen und vertiefen. Im Anschluss erfuhren sie, welche Chancen junge Menschen in der EU haben und welche Möglichkeiten das Programm Jugend in Aktion bietet.
Nach den vielen Informationen war es dann an der Zeit, dass sich die Jugendlichen mit dem Thema Theater auseinandersetzen. Ein Brainstorming half bei der Überlegung, welche Art von Theaterstück überhaupt geeignet ist. Soll es ein Musical werden oder doch eher ein Improvisationstheater? Darüber wurde ausgiebig diskutiert. Anschließend besuchten die Jugendlichen das Theater in Plauen „Hinter den Kulissen“. Nach dem aufschlussreichen Besuch, bepackt mit vielen Ideen, ging es in den Theaterworkshop.
Um eine genaue Vorstellung über das politische System in Deutschland zu bekommen, hörten die Jugendlichen einen Vortrag über die Deutsche Verfassung und besuchten den Sächsischen Landtag in Dresden. In einer anschließenden Diskussion wurden rege Vergleiche zwischen den Heimatländern gezogen. Bei der Führung durch das Archiv der Bundesbehörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR in Chemnitz, erhielten die Jugendlichen interessante Einblicke in die Hinterlassenschaften des ehemaligen Geheimdienstes der DDR.
Während des Treffens nutzten die Jugendlichen die Nationenabende, um ihr Heimatland und die dazugehörigen Speisen, Getränke und Musik vorzustellen. Dabei kamen sie in den Genuss, die landestypischen Gerichte in vollem Munde zu probieren. Alles in allem ein sehr gelungenes Anfangstreffen.

Treffen Ungarn – Kunfeherto (17.05.-30.05.2010)
Im Mai war es soweit und das zweite Treffen in Ungarn stand bevor. Nach einem herzlichen Empfang vor Ort durch die Partnerorganisation HEEDA erfuhren die Jugendlichen in einer Präsentation viel wissenswertes über das politische System in Ungarn. Während dem Besuch der Jugendlichen erfuhren sie im besonderen Maße über die Situation von zwei unterschiedlichen Minderheiten in Ungarn.
Ein Mitglied des Nationalparlaments und gleichzeitig Präsident der Roma der lokalen Selbstverwaltung in Kiskunhalas berichtete über das Ansehen und die Stellung der Roma in Ungarn. Wie wird diese Bevölkerungsgruppe in der Gesellschaft wahrgenommen – als Roma, Ungarn oder Europäer? Hieraus ergaben sich aufschlussreiche aber auch intensive Diskussionen unter den Jugendlichen.
Ein weiterer Gast informierte über die Situation von Menschen mit Behinderung in Ungarn und somit über eine andere Randgruppe in Ungarn. In einer Plenumsdiskussion bot sich die Möglichkeit zu einem regen Informationsaustausch.
Highlights für die Gruppe waren ein Ausflug nach Budapest mit dem Besuch des Parlamentgebäudes und der Besuch des Gedenkparks Opusztaszer. Auf dem Gebiet des nationalen historischen Gedenkparks von Opusztaszer konnten die Jugendlichen ein 120m langes und 15m hohes Panoramabild bewundern, welches in einem Kreis von 38m Durchmesser angeordnet ist und die Episoden der Landnahme im 11. Jahrhundert darstellt.
Die Arbeiten am Theaterstück waren gekennzeichnet durch das Ausleben der eigenen Kreativität. Beim Ausprobieren von verschiedenen Gesichtsmasken wurde schnell deutlich, dass die Darstellung von unterschiedlichen Masken in das Theaterstück einfließen wird. Viel Kraft kostete des Weiteren die Erarbeitung eines Drehbuches. Aber am Ende stand ein Konstrukt.

Treffen Polen – Jelenia Gora (21.11.-28.11.2010)
Das dritte Treffen in Polen wurde zur intensiven Vorbereitung des Theaterstücks genutzt. Die Jugendlichen machten sich eifrig an die Arbeit bei der Herstellung von Kulissen. So wurden Gipsmasken für jeden Teilnehmer angefertigt. Einige mutige Teilnehmer stellten die Gipsmasken von ihrem eigenen Gesichtsabdruck her, obwohl nicht allen Wohl dabei war den Gips auf dem Gesicht trocknen zu lassen. Bei der Anfertigung von Pappmascheemasken war jedoch für alle etwas dabei.
Die Partnerorganisation in Polen in Kooperation mit der Uniwersytet Ekonomiczny in Wroclaw organisierte eine Konferenz in Liberec über die aktuelle Arbeitsmarktsituation von jungen Absolventen nach der Wirtschaftskrise. Die Konferenz mit dem Titel „The impact of the economic crisis on the czech and polish part of the euroregion Neisse with the focus on the labour market“ orientierte sich ganz aktuell an der Lebenswelt der Teilnehmer und Jugendlichen. Polnische
Teilnehmer berichteten über ihre persönlichen Erfahrungen bei der Arbeitssuche. Die Diskussionen und der Austausch unter den Teilnehmern hielten noch über Tage an.
Sehr herzlich wurden die Jugendlichen des Weiteren an der Uniwersytet Ekonomiczny Außenstelle Jelenia Gora willkommen geheißen. Mit Hilfe von Studenten der Fakultät für Tourismusmanagement erkundeten sie die Stadt.
Am letzten gemeinsamen Tag in Jelenia Gora erkundeten die Jugendlichen mit Hilfe eines Stadtführers den Stadtteil Cieplice. Besonders anschaulich wurde bei der Führung, welchen Stellenwert die Religion in der polnischen Gesellschaft einnimmt. Durch die Erfahrungen des Stadtführers mit ehemaligen „Heimwehtouristen“ und seine Erzählungen dazu, wurde für die Teilnehmer die besondere Geschichte Schlesiens deutlich.
Das dritte Treffen war somit wieder gefüllt mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken. Alle Teilnehmer verabschiedeten sich bis zum Abschlusstreffen im Frühjahr 2011. Das letzte gemeinsame Treffen findet wieder in Chemnitz statt. In der Chemnitzer Kunstfabrik der solaris FZU gGmbH Sachsen wird dann das Theaterstück uraufgeführt.

Treffen Deutschland – Chemnitz (06.03.-12.03.2011)
Das vierte Treffen und somit auch das Abschlusstreffen des Projekts fand wieder in Chemnitz statt. Der finale Höhepunkt der Begegnung war die Uraufführung des geplanten Theaterstücks am Ende der Woche. Aber bis dahin gab es noch viel zu tun. Die Gruppe entschied sich für die Methode des Schattentheaters, wodurch die benötigen Requisiten hergestellt werden mussten. Im Theaterstück stellten die Jugendlichen in ihren jeweiligen Ländergruppen dann ihr Heimatland vor. Die kurzen Geschichten und Werbespots der einzelnen Länder waren sehr lustig gestaltet und ließen die Zuschauer laut lachen. 
Neben den Vorbereitungen und der Aufführung des Theaterstücks gab es ein gemischtes Programm mit unterschiedlichen Aktivitäten. Gleich zu Beginn der Woche berichtete Frank Heinrich als Mitglied des Bundestages von seiner Arbeit sowie dem politischen System in Deutschland. Um einen Einblick in die Arbeitsweisen der Institutionen der EU zu bekommen, wurde ein Planspiel durchgeführt.  Bei diesem musste die Zivilbevölkerung (in Form eines Eis) eines fiktiven Staates gerettet werden. Kreative Ideen und die Kommunikation in der Gruppe waren gefragt.
Wie schon bei dem Auftakttreffen 2009 bewegten sich die Teilnehmer auf den Spuren der DDR Vergangenheit. Einen Einblick in die Geschichte gab es bei dem Besuch der Gedenkstätte des geschlossenen Jugendwerkhofs in Torgau. Die Ausstellung „Ich bin als Mensch geboren und will als Mensch hier raus“ zeigte den Jugendlichen eine dunkle Seite der Vergangenheit. Beim anschließenden Besuch in Leipzig – „der Stadt der friedlichen Revolution“ konnten sie jedoch auch auf anderen Spuren der Geschichte wandern.

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